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06.01.2026 Kategorie: Wort

Im Dazwischen

Der Heilige Abend ist vorbei, mit ihm die Feiertage. Das neue Jahr lässt noch auf sich warten. „Zwischen den Jahren“ wird diese Zeit oft genannt. Tage mit einer merkwürdig schwebenden Gefühlslage. Eine Zeit des Übergangs.

Manche spüren erst nach Weihnachten, wie sie vorher auf das Fest hin gelebt haben und nicht zum Durchatmen gekommen sind. Andere wollen Liegengebliebenes erledigen und fragen im Anschluss, wo die Zeit geblieben ist. Einige erleben, dass sie sich irgendwie durchlässiger fühlen, empfindlicher, anfälliger.

Es ist wie eine Türschwelle zu überqueren: Ein Fuß steht noch fest im bisherigen Zeitraum. Der andere schwebt in der Luft für den nächsten Schritt und berührt bald den sicheren Boden des neuen Zeitraums. Der Blick ist dahin gerichtet. Doch der Moment über der Schwelle ist heikel. Der Körper ist instabil und kann ins Stolpern geraten.

Diese Zeit des „Dazwischen“ nennen viele „Rauhnächte“ und beziehen sie auf die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem Epiphaniastag am 6. Januar. Viele alte Bräuche haben versucht, mit dem Unbestimmten zurecht zu kommen. Zunehmend entstehen neue zeitgemäße Ideen.

Sie treffen sich in der Anregung, die Zeit im Übergang zu nutzen, um innere Angelegenheiten zu ordnen. Die melden sich oft von selbst in den Träumen dieser dunklen Zeit. Ängste und Fragen sind darin und genauso das Helle und Helfende.

„Fürchte dich nicht!“ sagten die Engel in der Weihnachtsnacht. In einer anderen Nacht träumte Josef davon, wie er das verletzliche neue Leben schützen könnte. Allem voraus ging die Nacht, in der der himmlische Bote zu Maria vom Sinn ihres Lebens sprach. Und vom Licht für alle Welt.

Davon kommen wir her. Das darf mit über die Schwelle. Denn an dem Licht, das im Dunklen geboren wird, kann man sich ausrichten. In allen Zeiten.

Und wer im Weihnachtsraum noch eine Weile verweilt, hört davon mit biblischen Worten: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Beitrag von Pfarrerin Petra Rau