Also doch wieder fast alles wie im letzten Jahr: geschlossene oder gar nicht erst geöffnete Weihnachtsmärkte, abgesagte Weihnachtsfeiern und Konzerte. Anstatt gemütlich und in fröhlicher Runde beim Glühwein draußen in der Kälte beim lebendigen Adventskalender oder anderswo zusammenzustehen, müssen wir wieder und weiterhin Abstand halten.
Das Corona-Virus ist außer Kontrolle und zwingt uns, auch diesen Advent 2021 anders zu verbringen, als viele von uns das eigentlich möchten. Die Adventszeit, so wie wir sie gewohnt sind und waren, hieß Vorfreude, Konsum, Einkauf von Weihnachtsgeschenken und viel Begegnung mit anderen Menschen. Das ist in diesem Advent anders.
Für die Christenheit war die Adventszeit ursprünglich eine Zeit der Vorbereitung und Sammlung. Sie war, heute kaum mehr vorstellbar, Fastenzeit, um sich auf das eigentliche, das große Fest, die Geburt Jesu an Weihnachten vorzubereiten. Als Christen erwarten wir die Ankunft Gottes in unserer Welt – als Kind in der Krippe, als Mensch unter Menschen. Die Adventszeit sagt: „Gott kommt zu uns“ – und wir warten auf ihn. Aber er kommt anders als wir ihn erwarten. Nicht stark und mächtig, nicht mit Gewalt, die alles ändert, umschmeißt und alle unsere Wünsche und Erwartungen erfüllt. Nein, Gott kommt anders, aber mitten hinein in unser manchmal so tristes Leben, unsere so gefährdete und zerbrechliche Welt. Er ist schon da, mitten unter uns, aber im verborgenen.
Gott ist nicht nur da, wo Freude und Jubel ist, sondern da, wo Menschen trauern, zweifeln, ja sogar verzweifeln. Jochen Klepper hat es so gedichtet: „Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid- und –schuld, doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte hält euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her (EG 16, 4).“ Advent heißt dann, das Angesicht Gottes in unserer Welt wahrnehmen, auf Jesus Christus, den Retter, schauen, der bei den Armen und Ausgestoßenen, bei den Zöllnern und Sündern, bei den Fröhlichen und Trauernden war – daraus Trost schöpfen, und es ihm gleichtun, wie es gerade jetzt in diesen Coronazeiten möglich ist.

