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01.04.2021 Kategorie: Wort

Dennoch

Ostern erzählt von einer Auferweckung, einem neuen Aufbruch ins Leben. So verstanden, haben wir Ostern wohl selten so dringend gebraucht wie jetzt. Denn das ist es doch, wonach sich alle sehnen: dass das Leben zurückkehren möge.

Die Pandemie mit ihren Lockdowns hat ja nicht nur die – auf’s Ganze gesehen bisher eher moderaten, im Einzelfall aber doch existenzbedrohenden – wirtschaftlichen Schäden mit sich gebracht. Auch die seelischen Folgen dürfen nicht unterschätzt werden. Kinder wurden einer festen und Sicherheit gebenden Struktur beraubt. In mancher Familie lagen und liegen die Nerven blank. Studierende vereinsamen in ihren Unterkünften. Und manche Großmutter sehnt sich ähnlich nach einer Umarmung wie das Enkelkind. Wo Corona auftrat, bangten Familien und Freunde um einen ihrer Lieben oder tun es noch. Unterdessen steigen die Inzidenzwerte und gar nicht wenige verdrängen die Gefahr, indem sie sie leugnen.

Da hat es die Osterbotschaft schwer. Der Aufbruch ins Leben scheint vertagt zu sein.

Aber schon immer galt, dass man Ostern nicht feiern kann ohne den Blick auf Karfreitag. Und Karfreitag kommt nicht ohne Ostern aus. Denn anderenfalls bliebe das Kreuz, an dem Jesus stirbt, nur das Folter- und Tötungsinstrument, das es ursprünglich war. Erst von Ostern her wird es zu einem Symbol und Zeichen der Hoffnung. Umgekehrt ergäbe es wenig Sinn, einander „Frohe Ostern“ zu wünschen, wenn wir den Zusammenhang mit Karfreitag und der Leidensgeschichte Jesu auflösten. Wir würden dann einfach die Realität überspringen, die uns diese Pandemie so unbarmherzig vor Augen führt, nämlich dass unser Leben angreifbar und dass es genießen zu können, nicht selbstverständlich ist.

So höre ich in diesem Jahr mehr als sonst ein „Dennoch“ mit: Dennoch lassen wir uns nicht entmutigen. Dennoch halten wir die Hoffnung hoch. Dennoch bleiben wir verantwortungsbewusst und geduldig. Dennoch sehnen wir uns danach und freuen uns darauf, dass das darniederliegende Leben auferweckt werden wird. Und ich bin gewiss: So wird es sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Osterfest.

Beitrag von Thomas Gunkel, Propst in Goslar