Suche

Nachrichten Ansicht

News

18.06.2021 Kategorie: Wort

Lohnt sich die Suche?

Es ist schon ein paar Jahre her, dass mir beim Singen einer Liedzeile mitten im Gottesdienst einmal ungewollt ein echter Patzer, zugleich ein Stoßseufzer der genervten Sucherin, passierte. In „Von allen Seiten umgibst du mich“ heißt es in der 2. Strophe: Dass ich wachse, blühe, reife, dass ich lerne und begreife, bist du, Gott, bei mir. Dass ich finde, wenn ich suche, dass ich segne, nicht verfluche, bleibst du, Gott, mir. Und ich schmetterte stattdessen: „Dass ich fluche, wenn ich suche…“

Zum Glück verstand dies damals nur meine Freundin und lachte mich amüsiert an, als ich realisierte, was ich gerade gesungen hatte... Aber Hand auf´s Herz: beim Suchen von Verlorenem ruhig und zuversichtlich zu bleiben, ist doch wirklich gar nicht immer so einfach, oder?  Oftmals ist es zeitraubend, anstrengend und schlicht nervig, ja, manchmal treibt uns das Suchen sogar in die Verzweiflung. Warum also die Mühe machen und nach Verlorenem suchen? Lohnt sich der Einsatz überhaupt?

Im Lukasevangelium hebt Jesus in einem Doppelgleichnis folgenden Aspekt beim Suchen hervor: er erzählt von der Freude des Hirten, wenn er das eine Schaf findet, das ihm verloren gegangen war und von einer bewundernswerten Beharrlichkeit einer Witwe bei ihrer Suche nach einem Groschen.

Die Freude über das jeweils Wiedergefundene begeistert. Es geht um die anderen, die gefunden werden, aber eben auch um mich, wenn ich mich verloren fühle. Ein Staunen durchzieht die Texte über einen Gott, der die Menschen ihre Wege ziehen und dabei Fehler machen lässt, aber nie verloren gibt und damit Möglichkeiten eröffnet, sich immer wieder neu auszurichten.

Da ist eine große Freiheit und eine noch größere Liebe. Gottes Liebe gehört genau dahin, wo Liebe fehlt. Sie gehört zu den Verlorenen, den Zweifelnden, den Verzagten, den Verlassenen, zu denen, die hinter die Zäune geschickt werden oder um die man Zäune baut.

Ich vertraue darauf, dass Gott da ist, wo und wenn er gebraucht wird. Vielleicht anders als ich es mir wünsche und anders als ich es mir vorstellen kann. Wer von uns ist nicht dankbar über die Hilfe und Unterstützung anderer, wenn wir in Not sind? Vielleicht sollten wir uns daran immer mal wieder erinnern, um uns auf die Suche nach den anderen zu machen, die uns brauchen - denn: Wer sich Verlorenem zuwendet, geht bei Gott nicht verloren. Ein anregender Gedanke – gerade auch zum morgigen Weltflüchtlingstag!

Beitrag von Pfarrerin Dagmar Hinzpeter