Diesen Apell vernimmt man jetzt häufiger gegen Coronatief und -müdigkeit.
Ich habe nur den Eindruck, dass damit eher die Rückkehr in die Zeit vor der Pandemie gemeint ist, um möglichst bald wieder die alte Normalität zu erhalten. Verständlich, dass wir gerne an den letztjährigen Februar anknüpfen wollten, wo noch unbekannt war, was uns nun jeden Tag bedrückt.
Aber echt- „wechselwilliges“ sich nach vorne ausstrecken ist wirklich eine Lebenskunst mit richtiger Veränderung und ich bin froh, dass der christliche Glaube im Ganzen dazu anleitet, diese Blickrichtung einzunehmen: Jesu, geh voran auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen. Ganz vorne ist Gottes Platz und dorthin gilt es, sich zu richten: dabei sollten wir unsere Augen nicht abwenden von Jesus Christus, der unseren Glauben in Bewegung setzt und vollendet. Für Luther ist Glaube ein steter und unverwandter Blick auf Christus. Bei ihm bildet sich bei uns Vorstellungskraft und -vermögen für ein Leben nach Gottes Vorstellungen: Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid… (und) wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht. Die Zukunft ist sein Land. Und diese Sichtweise inspiriert doch zu einem „Satz nach vorne“ mit einem heilsamen Aufschauen zu Gott: Nun aufwärts froh den Blick gewandt und vorwärts fest den Schritt! Wir gehn an unsers Meisters Hand, und unser Herr geht mit. Glaubenszuversicht auf den „lieben Gott, der vorne hilft“ wäre dann kein Fußball Schnack, sondern ein tägliches Vorankommen unter seiner An-Leitung und Weiter-Führung. Gerade auch unserer Tage, damit wir nicht wieder ins vorherige Hintertreffen gelangen, sondern bei allen Dämpfern dazugewinnen.
Ist dieser Ausnahmezustand nicht eine globale Bedenkzeit für gute Besserung? Wie Hilde Domin es uns an-dichtet: Wir werden eingetaucht und mit den Wassern der Sintflut gewaschen, wir werden durchnässt bis auf die Herzhaut. Der Wunsch nach der Landschaft diesseits der Tränengrenze taugt nicht, der Wunsch den Blütenfrühling zu halten, der Wunsch verschont zu bleiben taugt nicht. Es taugt die Bitte, dass bei Sonnenaufgang die Taube den Zweig vom Ölbaum bringe, dass die Frucht so bunt wie die Blume sei, dass noch die Blätter der Rose am Boden eine leuchtende Krone bilden und, dass wir aus der Flut, dass wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen immer versehrter und immer heiler stets von neuem zu uns selbst entlassen werden.
Dann könnte es uns rückblickend in der Art nach vorne verholfen haben, wie es die Menschheitsgeschichte wohl lehrt: langfristig erfolgreich waren und überlebt haben nicht die Stärksten, sondern die Freundlichsten. Diese Ausrichtung zum: alle für alle oder auf gut biblisch: eine/r trage der/s anderen Last wäre heute schon die gute Welt von morgen. Das möchte ich mir in weiser Voraussicht bei Gott abschauen und zulegen.

