Wie werden wir wohl in ein paar Jahren auf dieses Weihnachtsfest 2020 zurückblicken? Eher mit Schrecken oder eher wehmütig? Es ist jedenfalls das Weihnachtsfest, an dem wir akzeptieren müssen, dass es gerade ein Zeichen von Nähe, Liebe und Zuneigung ist, Abstand voneinander zu halten und sich nicht in großer, froher Runde mit der Familie oder Freunden unter dem Weihnachtsbaum zu versammeln. Wie das wird, kann ich mir persönlich jetzt noch gar nicht richtig vorstellen, es muss aber wohl so sein.
Für viele Menschen gehört der Gottesdienstbesuch zum Heiligen Abend unbedingt dazu. Auch das wird dieses Jahr ganz anders als sonst. Überfüllte Kirchen mit fröhlichem Gesang darf es nicht geben. In den Kirchen kann nur Gottesdienst gefeiert werden mit Voranmeldung und mit sehr beschränkter Teilnehmerzahl. Kirchenvorstände und die Pfarrerinnen und Pfarrer haben sich viele Gedanken gemacht, wie in dieser Zeit Gottesdienste möglich sein können. In anderen Gemeinden hat man auch schon seit Wochen für Weihnachten geplant und musste sich nun schweren Herzens entscheiden, alle Planungen zu verwerfen und die Gottesdienste abzusagen. Diese Entscheidung ist sehr schwer gefallen, ist aber ein deutliches Zeichen der Solidarität in unsere Gesellschaft hinein.
Aber wenn auch Gottesdienste ausfallen – Weihnachten fällt nicht aus! In einem Weihnachtslied heißt es: „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein!“ Das ist die Botschaft von Weihnachten, dass Gott gerade in unsere tiefe Nacht hinein kommt. Gerade wenn alles um uns herum dunkel ist, kommt Gott in dem Kind im Stall von Bethlehem zu uns Menschen und schenkt uns die Hoffnung und das Licht von Weihnachten. Dass geschieht auch dann, wenn wir keine Gottesdienste feiern können. Trotz allem – es ist Weihnachten.
So wünsche ich allen frohe und gesegnete Weihnachten.
Ihr Jens Höfel
Propst in Bad Harzburg

