Das ist doch das Schönste, was es gibt. In den eigenen vier Wänden mit allem, was man über die Jahre hinweg darin angesammelt hat. Mit bequemen Möbeln, Erinnerungsfotos an der Wand oder auf der Kommode, die Auswahl sämtlicher Kleidung, über die man verfügt, ein eigenes Bad, in dem einen keiner stört, außer vielleicht der eigene Mann oder das Kind, das mit im Haus wohnt oder die nervige Schwester/der nervige Bruder. Aber eigentlich ist zu Hause sein, das beste auf der Welt, finden Sie nicht? Denn hier fühlt man sich sicher und geborgen. Hierhin kann man immer wieder zurückkehren, einkehren. Hier kennt man sich aus und fühlt sich meistens wohl.
Im vergangenen Jahr waren wir viel zu Hause. Am Anfang war das noch richtig schön. Endlich ist man mal zum Renovieren gekommen oder zum Ausmisten. Man genoss die viele Zeit, die man plötzlich hatte, auch füreinander. Doch mit der Zeit wurde es anstrengender. Die Einschränkungen, die erst zu neuer Freiheit verhalfen, engten mehr und mehr ein. Denn wir sind es nicht gewohnt ständig zu Hause zu sein umgeben von all unseren Lieben. Schnell tun sich da Konflikte auf. Die Marotten, die man am anderen so liebt, stellen sich als anstrengend und nervig heraus. Ein Weglaufen davor ist kaum möglich außer, wenn der Einkauf ansteht oder die Waschmaschine im Keller neu befüllt werden muss. Kleine Auszeiten, die man dann geradezu ersehnt, obwohl sie einen sonst eher nerven.
Man sieht die anderen plötzlich in einem neuen Licht und es fällt schwer immer lieb und nett zueinander zu sein.
Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Luksevangelium 6,36)
Gerade in den vergangenen Monaten war es nicht immer leicht barmherzig, also geduldig und tolerant zu sein, auch mal fünfe gerade sein zu lassen. Gleichwohl war in manchen Momenten auch mehr Barmherzigkeit zu sehen als in anderen Jahren. Warmherzigkeit machte sich an vielen Stellen breit, an denen sonst nichts war. Da waren zum Beispiel Menschen für Menschen da, die sie vorher gar nicht kannten.
Barmherzigkeit zu üben ist nicht immer leicht, weil man gelegentlich über seinen Schatten springen muss, auf eigenes Recht verzichten, um Liebe und Barmherzigkeit zu üben. Das ist es, was Jesus von uns fordert. Bleiben wir gut in Übung und lassen uns nicht von Rückschlägen davon abhalten Barmherzigkeit zu üben. Denn Gott ist barmherzig mit uns.

