Es ist Sommer. Und an diesem Wochenende dürfen wir das auch endlich wieder spüren. Mit Sonne und Wärme, ein bisschen Schwitzen, am Abend auf der Terrasse, dem Balkon oder einer Bank vor der Haustür sitzend, ein kühles Getränk in der Hand und einfach durchatmen. Es ist Sommer, leichte Kleidung auf der Haut, mit Freunden feiern oder im Urlaub sein. Endlich Pause. Den Gedanken freien Raum lassen und Zeit zum Träumen haben.
Und doch tauchen sie auch gerade jetzt auf. Die schweren Zeiten in meinem Kopf und in meinem Herzen. Schließlich haben sie Zeit und Gelegenheit sich dort breit zu machen. Wie schön war es in den Sommern meiner Kindheit, als ich mit den Großeltern in den Urlaub fahren konnte und auf Norderney mit ihnen Sandburgen bauen konnte. Wie schön war es im Garten mit ihnen zu spielen. Und später auch noch mit ihnen Eisessen zu gehen, als ich schon längst erwachsen war. Wie schön mit ihnen die Zeit im Freibad zu genießen. Und jetzt? Jetzt sind sie nicht mehr da. Ich erlebe vieles davon heute noch, aber eben nicht mehr mit ihnen. Und das macht mir das Herz schwer. Und so haben Sie bestimmt auch die ein oder andere schöne Erinnerung, die sich heute nicht mehr so wiederholen lässt, weil der Herzensmensch, mit dem man das erlebt hat, nicht mehr da ist oder so krank, so geschwächt, dass keine gemeinsame Reise mehr möglich ist.
Wie traurig sind wir da? Wie blockiert auch an vielen Stellen? Können wir da den Sommer überhaupt noch genießen, geschweige denn wahrnehmen? Fühlen wir noch Leichtigkeit? Oder ist da nur noch Einsamkeit?
Martin Luther soll in Not und Anfechtung auf sein Schreibpult geschrieben haben: „Ich bin getauft“. Und genau das hat ihm wieder Trost gegeben. Denn die Taufe ist das Geschenk, das uns sagt: „Du bist nicht allein. Hab keine Angst, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir!“ Und dieses ‚du gehörst zu mir‘ das nimmt Gott ernst. Denn das hat er uns schließlich deutlich gemacht mit Jesus. Mit ihm ist Gott zu uns gekommen, hat gelebt als Mensch wie wir, ist gestorben und auferstanden. Und das tat er für uns. Darum ist mein Leben rein und gut. Darum brauche ich keine Angst haben. Denn Gott ist an meiner Seite. Auch wenn all das, an das ich mich erinnere nicht mehr so sein kann. Aber es durfte sein und nun kann ich mich daran erinnern, wie schön es war. Und so darf ich aus diesen Erinnerungen zehren und neue Erinnerungen schaffen, indem ich es mit anderen zusammen erlebe. Und ich darf wissen: Gott ist bei mir und mit mir, gestern und heute und an jedem Tag. Ich muss das Schwere nicht allein ertragen. Und Gott wird mir trotzdem schöne Momente schenken, in denen ich aufatmen kann. Schließlich hat er mir das in der Taufe versprochen. „Du bist nicht allein. Hab keine Angst, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir!“

