Suche

Nachrichten Ansicht

News

05.10.2021 Kategorie: Wort

The sound of silence

Nach jeder sehr lauten und lebendigen Fahrt mit der Evangelischen Jugend kann ich die Stille, die mich erwartet, wenn die Wohnungstür ins Schloss gefallen ist, kaum ertragen. Mit einem verstummenden Fiepen im Ohr höre ich … nichts. Diesen Moment finde ich zum einen sehr erlösend, auf der anderen Seite ist diese schweigsame Situation beängstigend.

Dabei müsste das überall als wohltuend propagierte Schweigen mich doch einlullen und zufrieden stimmen. Keine Einflüsse von außen, die mich wieder handelnd werden lassen. Vielleicht, weil ich Schweigen oftmals als negativ konnotiert erlebe. Wer schweigt, stimmt zu! Wer schweigt, macht sich mitschuldig! Wer schweigt, hat nichts zu sagen!  Und ja, wir sind eine schweigende Gesellschaft, obwohl viel und laut geredet und in den sozialen Netzwerken und Medien noch mehr geschrieben wird, aber wirklich gesagt wird doch nichts. Unzählige Eindrücke prasseln auf uns ein, es wird wahrgenommen, gehört, aber wirklich verstanden wird wenig.

„The sound of silence“ von Paul Simon implementiert dieses Gefühl von einer sprachlosen Gesellschaft und der herrschenden Einsamkeit sehr eindrücklich, wenn der Song davon spricht, dass wir unseren Visionen nicht folgen und uns im Trott einer hinter den Fassenden oberflächlichen Welt, die dem Konsum-Gott huldigt, verlieren. Immer und überall können wir alles sehen und hören, das Internet ist ein Garant dafür, aber besser verstehen, tun wir uns deshalb nicht.

Wohin mit all der Sehnsucht nach einem guten Leben? Wohin mit den Fragen nach Sinn, dem Bedürfnis nach Geborgenheit und dem Verlangen nach Gemeinschaft? Diese Wünsche werden all zu oft nicht formuliert, geschweige denn gehört. Und auf einmal stolpere ich über Vers 3 in Psalm 50: „Unser Gott kommt und schweigt nicht.“ Was für eine Zusage! Viel zu selten nehme ich das alte Buch in die Hand und lasse mich von den Erfahrungen der Menschen mit dem Leben und mit Gott inspirieren. Ich genieße die Worte, die sich wie Balsam lesen. Ganz still werde ich, aber schweigen werde ich nie.

Beitrag von Jugenddiakon Michael Marintschak