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19.11.2021 Kategorie: Wort

Zeichen des Lebens und der Liebe

In diesen Tagen steigt es vielen von uns wieder ins Bewusstsein: Es kann so schwer sein, Abschied nehmen zu müssen, die Endgültigkeit auszuhalten, das Nie-wieder, das Nie-mehr zu ertragen. Die vertraute Stimme spricht nicht mehr zu mir, es kommt kein Anruf mehr, in der Sofaecke ist der Platz frei, der doch immer vom gleichen Menschen besetzt wurde.

In diesen Tagen geben wir der Trauer Raum, denn wir gedenken unserer Verstorbenen. Die, die zu mir gehörten, dürfen weiterhin Teil meines/unseres Lebens sein, doch die Trauer um sie muss erst durchlebt werden.

Manche werden es kennen: Gerade wenn ich denke, jetzt geht es besser, dann reißt irgendetwas mich wieder zurück: ein Ort, an dem wir gemeinsam waren, eine Melodie oder nur der Gedanke: vor einem Jahr, da warst du noch da, da konnte ich noch mit dir reden, dich berühren, da war ich weniger allein.

Unser Leben ist so zerbrechlich und die Pandemie weist uns auch noch Tag für Tag unerbittlich darauf hin. Der Tod führt uns an eine Grenze, hinter die wir nicht blicken können. Der Tod trennt uns für immer. Das erschüttert uns, macht uns verzweifelt und unglücklich. Und doch müssen Trauernde lernen, damit zu leben. Müssen Wege allein gehen, Zeiten allein verbringen, die man vorher miteinander geteilt hat, im Gewohnten leben, das sich trotzdem fremd anfühlt, weil er oder sie fehlt.

Trauer braucht Raum, um sich wandeln zu können. Trauernde brauchen Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter. Wo wir einander zuhören und einander beistehen, zusammen das Schweigen, das Wüten, das Weinen aushalten, miteinander und füreinander beten, da tun wir im Kleinen etwas Großes: Wir setzen Zeichen des Lebens und der Liebe gegen den Tod. Wir finden uns nicht mit dem Tod ab, der auch in unser Leben hinein greift. Wir stellen ihm die Liebe entgegen. Und das ist nicht wenig.

Alles, was gut war in den Lebensgeschichten unserer Verstorbenen und in unseren eigenen, was unter Gottes Segen stand oder steht, das weist über sich selbst hinaus. Das erzählt von Gottes Liebe zu uns: das kleine Glück mitten im Weltgetriebe, der Glaube, der dem Zweifel, dem Schmerz und der Trauer standhielt –Spuren dieses Gottes, der uns schon in diesem Leben reich beschenkt und an dem Ort, den wir Ewigkeit nennen, all das zusammenfügt, was in uns und unserem Leben zerbrochen ist. Da wird Gott bei uns wohnen. Beweise gibt es nicht, aber: Hoffnungszeichen…

Die Tage sind schwarz, sagt die Trauer. Ich sehe ein Licht, sagt die Hoffnung. Nie wieder, sagt der Schmerz. Versuch es nochmal, sagt die Liebe. Für immer vorbei, sagt der Tod. Ich bin da, sagt das Leben.

Beitrag von Pfarrerin Dagmar Hinzpeter