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17.09.2026 Kategorie: Wort

Welcher Tag ist heute?

„Was ist heute für ein Tag?“, fragt Tim. Ein Tag für die Kita? Oder für den Besuch bei Oma? Ein ganz normaler Tag – oder einer von den besonderen?

Es gibt Tage, die kommen morgens einfach herein. Der Wecker klingelt, Kaffee läuft durch die Maschine, die Haustür fällt ins Schloss. Später wird eingekauft, gearbeitet, gekocht, aufgeräumt. Abends liegt man im Bett und denkt: War heute eigentlich irgendetwas? Solche Tage gibt es viele. Sie sind das leise Grundrauschen des Lebens. Meistens merkt man erst, wie wichtig es ist, wenn es plötzlich verstummt.

Denn manchmal kommt ein anderer Tag. Ein Gruß von jemandem, an den man lange nicht gedacht hat. Ein Anruf, der mit einem Satz alles verändert. Eine Nachricht, die man zweimal liest, weil man beim ersten Mal nicht glauben kann, was dort steht. Ein Besuch, nach dem nichts mehr ganz so ist wie vorher. Dann wird aus einem Dienstag ein Tag, an den man sich erinnert.

Manchmal ist es Glück, das so kommt. Manchmal eine Nachricht, die einen erschüttert. Manchmal beides zugleich: das Leben, das sich unerwartet öffnet – oder das Leben, das plötzlich eine Grenze zeigt. Für solche Tage gibt es keinen Plan. Und doch tragen sie etwas in sich, das an den gewöhnlichen Tagen verborgen bleibt. Eine Kraft, die plötzlich da ist. Ein Mensch, der bleibt. Ein Wort, das hält. Eine Liebe, die weiterreicht, als man gedacht hat.

Vielleicht ist das der Grund, warum ein alter Satz aus einem Trostbrief bis heute so eigentümlich klingt: „Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.“

Ein großer Satz für einen kleinen Tag. Und vielleicht ist es gerade andersherum. Vielleicht sind die kleinen Tage gar nicht klein. Der Kaffee am Morgen. Das vertraute Gesicht. Der Weg, den man schon hundertmal gegangen ist. Die Hand auf der Schulter. Ein Anruf. Ein Lachen aus dem Nebenzimmer. Nichts davon ist selbstverständlich. Jeder Tag kommt nur einmal.

Welcher Tag ist heute? Das weiß man morgens nicht. Vielleicht erst abends. Oder viel später. Aber heute ist er da. Ein weiterer Tag des eigenen Lebens. Und damit einer, den es kein zweites Mal gibt.

Beitrag von Pfarrerin Petra Rau