Tiere halten Winterschlaf. Menschen nicht. Ob Tiere beim Schlafen träumen, ist nicht sicher. Dass Menschen es tun, weiß man schon. Mancher würde es aktuell wohl gern dem Siebenschläfer oder der Haselmaus gleich tun, wenn dadurch die Zeit schneller vorbeiginge. Saisonbedingte Wintermüdigkeit und ermüdende Coronadaueranspannung wären kalt gestellt.
Doch Winterschlaf für Menschen ist leider keine Option. Im Gegenteil, im Moment ist höchste Aufmerksamkeit gefragt. Es hört nicht auf, ernst zu sein. Wer leben möchte, hält wachsam die Regeln ein. Die Spielräume werden enger, das Lebensgefühl auch.
Eines allerdings bleibt unangetastet: Nacht für Nacht unternimmt jeder in seinen Träumen spannende Abenteuer und betritt neue Welten. Zugegeben, mancher Traum ist beängstigend. Mancher schon beim Aufwachen vergessen. Doch die Macht der Träume bleibt unermesslich. Und jeder trägt sie in sich.
Das Lukasevangelium schreibt einen großen Traum über die kommende Woche:
„Von Osten und Westen und von Norden und Süden werden Menschen kommen und sich im Reich Gottes zu Tisch setzen.“
Grenzen einfach überschreiten, festlich tafeln in großer Runde, sich gemeint und gemocht wissen… Zu schön um wahr zu sein? Zu müde, um das überhaupt denken zu können? Wenn noch nicht mal die Reise an die Nordsee oder nach Südbayern möglich ist und die Decke mitunter schneller auf den Kopf fällt als das Wort Traum buchstabiert.
Haselmaus, Siebenschläfer und Co würden den Winter nicht überstehen, wenn sie jetzt nicht schlafen. Was wären Menschen ohne ihre Träume? Es spricht nichts dagegen, sich in der neue Woche einen „Winterschlafmoment“ zu gönnen. Und dabei auf die Träume zu achten – wer weiß denn wirklich, was so alles in einem schlummert. Vielleicht auch die Stimme, die es mit dem Dichter Bernard Shaw hält: „Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht?“

