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29.05.2026 Kategorie: Wort

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Geheimnisse gehören zum Leben wie leise Töne zur Musik. Manche sind klein und flüchtig, andere schwer und tief verborgen. Wer in sich hineinhorcht, spürt sie: Worte, die nie gesprochen wurden. Gedanken, die bleiben.

Und doch – nicht jedes Geheimnis will versteckt bleiben. Manche laden ein, ihnen näherzukommen. So wie die Zahlen im Glauben.

Wer eine Kirche betritt, kann sie entdecken: in Stufen und Fenstern, in Bögen und Säulen. Die Vier, die die Welt umspannt. Die Sieben, die von Fülle erzählt.
Und immer wieder die Drei – ruhig, klar, geheimnisvoll. Die Drei: Anfang, Mitte und Ende. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ein Kreis, der sich schließt.

Am kommenden Sonntag steht sie im Mittelpunkt: die Drei, die eins ist. Dreieinigkeit. Trinität. Gott als Vater, als Sohn, als Heiliger Geist. Nicht drei nebeneinander – sondern eins.

Ein Gedanke, der sich nicht festhalten lässt. Ein Geheimnis, das größer ist als unser Verstehen. Und doch lässt es sich ahnen: im Licht, das durch Blätter fällt, im Blick eines Menschen, der uns versteht, in einer Kraft, die uns aufrichtet, wenn wir es selbst nicht mehr können. Dort zeigt sich Gott: schöpferisch, nahbar, lebendig.

Was wäre die Welt ohne Zahlen? Ohne Maß, ohne Ordnung, ohne Rhythmus. Und was wäre das Leben ohne Geheimnisse? Vielleicht ärmer. Vielleicht leiser. Gut zu wissen, dass Gott selbst ein Geheimnis ist – vielgestaltig und nah. Und dass das, was wir in uns tragen, bei ihm aufgehoben ist.

Beitrag von Pfarrerin Petra Rau