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07.04.2020 Kategorie: Wort

Der richtige Weg...

Wir befinden uns jetzt in der Karwoche, in einer Zeit, die für uns Christen eine ganz besondere Zeit ist, weil wir an Jesu Weg nach Jerusalem denken und an das Leid und an die Willkür, die ihn dort erwartet.

Für uns – für alle Menschen – so deutet das Neue Testament – ist er diesen Weg gegangen. Und ich habe noch deutlich eine Stimme im Ohr, die sagte, für mich muss niemand sterben.

Ich könnte das so für mich nicht sagen. Denn das würde bedeuten, dass ich mich in allen Dingen, immer genauso verhalte, wie es die Vernunft und die Einsicht gebieten. Um ein Beispiel zu geben: Bevor das Coronavirus die ganze Welt in Atem hielt, hieß es, wir müssen für den Klimaschutz ernsthafte Einschnitte erdulden. Hab ich etwa freiwillig auf Reisen verzichtet, um die Umwelt zu entlasten?

Nein, ich reise zu gerne. Jetzt weiß ich nicht, ob ich im Juni meinen Urlaub so antreten kann, wie es ursprünglich geplant war.

Hatte vorher die Wirtschaft und das Geld die Regeln bestimmt, nach denen wir zu leben haben, entdecke ich, wie wichtig es doch ist, dass wir als Menschen füreinander da sind, dass es Leute gibt, die bereit sind, sich um andere zu kümmern, für sie sorgen, wenn sie krank und pflegebedürftig werden. Ich merke, wie wichtig all die Menschen sind, die für das sorgen, was wir täglich zum Leben brauchen.

Ich hoffe und bete darum, dass die Gefahr, die von dem Virus ausgeht, nicht zu lange anhält. Aber ich wünsche mir, dass ich eines aus diesen Tagen mitnehme, nämlich, dass wir unser Leben und das, was uns darin wichtig ist, von Gott in Frage stellen lassen. Bin ich auf einem guten Weg, halte ich die richtigen Werte hoch, kann ich mit meinem Leben vor Gott bestehen? Gebe ich ihm die Ehre, die ihm –daran glaube ich – als den Schöpfer des Universums zusteht? Und wenn ich es nicht kann, nehme ich dann Zuflucht bei dem, der immer wieder davon geredet hat, dass Gott uns trotzdem liebt und zu uns steht.

Im Moment fällt es mir sehr schwer, Worte zu finden, die Antworten geben, eher spüre ich viele offene Fragen, wie zum Beispiel: Wie gehen wir mit unseren Mitgeschöpfen und der Natur um? Warum gehen wir nicht mit derselben Energie und Kraft daran, die Unterschiede zwischen arm und reich in unserem Land, aber auch im Verhältnis zu anderen Ländern, zu verringern, mit denen wir jetzt versuchen, das Coronavirus einzudämmen und die Folgen für unsere Wirtschaft zu mildern. Warum setzen wir eigentlich nicht all` unsere Mittel ein, um die Lebensbedingungen für alle Menschen besser zu machen?

Für Gott ist jeder Mensch, seine ganze Schöpfung kostbar und einzigartig. Warum gelingt uns das nicht, gelingt es mir nicht, dass im Leben auch so umsetzen, dass es jeder Mensch auch merken kann, egal, wo er lebt und in welche Familie er hineingeboren wird?

Aber mancher wird jetzt vielleicht einwenden, dass solche Gedanken zu negativ sind, wo bleibt denn der Trost und die Hoffnung, die der Glaube vermitteln soll? Das brauchen wir doch gerade jetzt, wenn die Angst vor Krankheit und Tod umgeht.

Kein aber, wir gehen auf Karfreitag zu, Zeit innezuhalten und darüber nachzudenken, wo wir auf falschen Wegen unterwegs sind, Wege, die andere kaputt machen, ihnen Leid bringen, so wie auf Jesus in Jerusalem das Kreuz wartet. Noch ist es nicht Ostern, auch wenn ich weiß und darauf hoffe, dass Ostern kommt.     

Beitrag von Pfarrer Udo Hauke