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12.01.2022 Kategorie: Wort

Verlässlich

Bei einem Jahreswechsel schauen wir zurück und nach vorn. Persönlich ziehen wir Bilanz, haken ab oder hängen manchem noch nach und gehen mehr oder auch weniger erwartungsfroh ins Ungewisse. Medial wird das für uns immer besonders aufbereitet. Was war gewesen? Was wird wohl kommen?

Im Grunde ist dieser emotionale Höhenflug künstlich erzeugt und hängt allein an einer Zeitstruktur, die gesellschaftlich anerkannt ist: das Kalenderjahr. Doch mag es sinnvoll sein und gut tun, sich mindestens ein Mal im Jahr auf das zu besinnen, was war und was kommen möge und was oder wer uns wirklich verlässlich trägt und hält.

Die biblische Jahreslosung kündet von einem solchen Fundament, auf das wir uns fest verlassen können in aller sonstigen Ungewissheit. Jesus Christus spricht: wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. (Johannes 6,37) Präziser übersetzt verspricht Jesus, niemanden „hinauszuwerfen“, der sich ehrlich und ergebnisoffen in seine Nähe begibt und ihn selbst, seine Botschaft und sein Sterben und Auferstehen verinnerlicht. Aus dem Kontext ergibt sich: ein solcher Mensch ist von Gott selber erfasst und geleitet. Denn dazu entscheidet sich niemand selber. Gottvertrauen ist eine Kraft, die uns ergreift und bewegt, und damit nicht allein eine Sache rein persönlicher Entscheidungsfreiheit.

Kann sich jemand von uns wirklich und auf Dauer und sogar für immer für Gott entscheiden? Ist es nicht vielmehr umgekehrt: Gott hat sich für uns entschieden!? Und genau darauf ist Verlass in allen Unwägbarkeiten unseres Lebens. Gott lässt nicht von uns ab. Das ist noch sicherer als das sprichwörtliche Amen in der Kirche. Und darum wird Jesus niemanden aus der Gottesnähe hinauswerfen, sondern wird sogar auferwecken zum ewigen Leben, wie er dann wenig später sagt. Mit diesem festen Versprechen lässt sich in ein neues Kalenderjahr gehen in gestärkter Hoffnung. Möge es für Sie ein wahrhaft gesegnetes Jahr werden – in allen und trotz aller gegenwärtigen Widrigkeiten.

Beitrag von Pfarrer Martin Fiedler