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20.07.2026 Kategorie: Wort

Einmal ganz anders sein!

Ist das nicht normal: Jemand verletzt dich im Streit und du gehst sofort in den Angriffmodus über, irgendwer verachtet dich und du verachtest diese Person ebenso, du wirst gedrückt und gibst diesen Druck weiter? Auge um Auge, Zahn um Zahn…

Dabei könnten wir auch ganz anders sein, ganz anders handeln, denn der Apostel Paulus lädt ein, das übliche „Wie-du-mir-so-ich dir“ nicht mitzuspielen. Dazu weist Olaf Waßmuth auf eine Erfahrung von Trevor Noah hin, einem südafrikanischen Comedian, der im Alter von vier, fünf Jahren selbst erlebte, wie seine Mutter und er auf der Straße übelst beschimpft wurden - einzig und allein wegen ihrer Hautfarbe. Seine Mutter Patricia, so erzählt er, sagte daraufhin zu ihm: „We take that racism, we shake it up with the LOVE OF JESUS, and we send it back“ - „Wir nehmen diesen Rassismus, wir mischen ihn auf mit der Liebe Jesu - und schicken ihn so zurück.“ Als Erwachsener habe er es dann bewusst probiert: Menschen, die ihn beleidigten, etwas unerwartet Freundliches zu entgegnen. Und sie so völlig aus dem Konzept zu bringen.  „Shake it up with the LOVE OF JESUS“ - verwirr‘ sie mit der Liebe Jesu, so könnte es auch übersetzt werden. Was Patricia ihrem Sohn Trevor riet, forderte Paulus ganz ähnlich schon vor 2000 Jahren: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Römer 12,21)

Wie kann das hier und jetzt gehen? Überwinde das Böse mit Gutem. Mach etwas, womit niemand rechnet. Steige aus aus der Logik des Heimzahlens: Großzügigkeit statt Geiz. Freundlichkeit statt Verachtung. Etwas Liebes für den, der es gerade am wenigsten verdient.

Als Kind habe ich in den 70er Jahren in Wolfsburg-Detmerode nur zwei Möglichkeiten gekannt, wenn mir Böses begegnete: mich zu wehren oder wegzulaufen. Heute weiß ich: die Liebe Jesu Christi eröffnet einen anderen Weg. Und manchmal gelingt es sogar, ihn zu gehen.

Beitrag von Dagmar Hinzpeter, Pfarrerin in Immenrode, Lengde und Weddingen