Heute gehe ich zur Post, setze meine Maske auf und stelle mich in die Reihe der Wartenden, meine Brille beschlägt. Ein Ärgernis mit dem wir, zumindest die BrillenträgerInnen in diesen Tagen leben müssen.
Ich drehe mich um und nehme die Person wahr, die hinter mir steht, aber ich erkenne sie nicht auf den ersten Blick, logisch bei dem fehlenden Durchblick, wie peinlich.
„Entschuldigen Sie, aber meine Brille ist so beschlagen!“ „Das geht mir auch so,“ bekomme ich als Antwort, sie ist auch eine Brillenträgerin.
Ich sehe Dich! Das ist in diesen Tagen nicht so einfach, es gilt nicht nur Abstand zu halten, sondern eben auch einen Mund- und Nasenschutz zu tragen. Das verstehe ich und das ist sicherlich auch gut so, aber es macht mir keinen Spaß, und so bin ich aus den Geschäften ganz zügig wieder draußen, das geht eben zu Kosten der Begegnung der Menschen untereinander, des Sich-Wahrnehmens, des Sich-Sehens!
Mir fallen komische Beispiel ein, z.B. denke ich an das Vermummungsverbot bei Demonstrationen oder das Tragen einer Burka aus religiösen Gründen. Ich finde, man soll den anderen schon sehen, man soll sehen, wer er ist!
Da ist es einfacher, wenn ich Menschen auf der Straße treffe, die ohne Maske unterwegs sind, da kann man auf Abstand einige Worte mit ihnen wechseln, weil ich sie schon so lange nicht gesehen habe. Ich bin froh, wenn das so ist, gerade weil es eben weniger Begegnungen gibt.
Ich sehe Dich – wie wichtig ist das! Und das nicht nur zu Coronazeiten!
Mir fällt das Kirchentagslied eines der letzten Kirchentage ein, es geht mir nicht mehr aus dem Kopf, ein wahrer Ohrwurm:
„Du siehst mich, so wie ich bin und werden kann. Du siehst mich, so wie ich bin nimmst du mich an. Du siehst mich, nimmst deinen liebevollen Blick nicht von mir. Du siehst mich an.“
In diesem Lied ist von Gott die Rede. Gott sieht mich so an, wie ich bin, mit und ohne Maske.
Gott sieht mich, er sieht mich, wie ich jetzt bin und wie ich noch werden kann.
Gott sieht mich mit meinen Stärken und Schwächen. Er sieht mich als der liebevolle Freund, nicht als der Verurteilende. Gott sieht mich an, weil er mich liebt, wie gut!
Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn.
2. Korinther 3,18 (SLT)

