Fürchterlich anzusehen ist, was die Wasserfluten der Ahr und anderswo mit sich gerissen und an Leid und Schaden angerichtet haben.
Wer am Nordharzrand wohnt, ahnt, wie sich das anfühlt, und weiß, dass es dort noch viel schlimmer zugeht als es bei uns 2017 und manche Jahre zuvor war. Die Wasser stehen höher als der Hals. Hunderte von Menschen kommen in ihnen um. Und dies sind wir nicht gewohnt in unserem Land. Sturmfluten an Nord- und Ostseeküste wohl, aber nicht die große Flut mittendrin.
Für die Trauer und die Not der Betroffenen gibt es kaum die richtigen Worte. Trost fällt unendlich schwer. Sie können einem einfach nur noch leidtun. Und ja: wir können Geld spenden, um solidarisch diese schweren Lasten mitzutragen. Eines aber mögen wir bitte nicht tun, was leider so oft zu hören ist, wenn Naturkatastrophen oder schwere Unfälle sich ereignen, nämlich zu fragen, wo Gott da ist, und sogleich zu sagen, wenn es einen lieben Gott gäbe, hätte er das ja nicht zugelassen.
Wenn Gott nur als Nothelfer tauglich erscheint, dann wird er sich uns nicht erschließen. Ist es nicht eher anders herum? Wo waren wir Menschen, als es darum ging, den göttlichen Auftrag zu erfüllen, nämlich die Schöpfung zu bebauen und sie dabei zu bewahren? Dämmert nicht inzwischen auch dem letzten verständigen Menschen, dass die Sintfluten hausgemacht sind und weder eine göttliche Strafaktion noch ein göttliches Versagen?
Wenn ich ganz persönlich und unmittelbar betroffen bin, darf und kann ich natürlich mit Fug und Recht fragen: Gott, wo warst du, als ich in Not geriet? Aber das ist dann eine Sache zwischen Gott und mir. Und Gott wird mich in dieser Frage auch nicht alleine lassen. Doch zu verallgemeinern und menschengemachte Schuld auf Gott zu schieben, weil man sie selbst nicht einsieht oder tragen will, das geht am liebenden Gott komplett vorbei.
Gott trägt das Leid, so wie Jesus sein Leiden und letztlich unser Versagen am Kreuz getragen hat bis zum Tod. Liebe ist nun einmal so, wenn sie sich wirklich entfaltet: „sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles“ (1. Korinther 13,7). Gott erträgt es sogar, dass wir Menschen ihn nicht akzeptieren oder ihn funktionalisieren und ihm die Schuld geben für das, was wir selber nicht gut hinkriegen.
Ganz sicher weint Gott mit allen Trauernden. Und er nimmt sich der Verstorbenen an. Klingt das religiös arrogant? Verunglimpft das die Not der Flutopfer? Ich meine es allein als hoffnungsvolle Gewissheit und große Bitte für die Flutopfer: wo Gott da ist, geht es weiter, auch dann, wenn es jetzt noch kaum zu glauben ist.

